Start Wirtschaft Droht Europa eine tiefgreifende Schuldenkrise?

Droht Europa eine tiefgreifende Schuldenkrise?

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EU KapitalmarktNach einer wochenlangen Ruhepause schien sich die Finanzsituation vieler europäischer Staaten wieder zu beruhigen. Doch die kürzlich bekannt gewordenen Probleme der portugiesischen Großbank Banco Espirito Santo entfacht erneut ein Großfeuer in Portugal und setzt somit auch Europa wieder unter Druck. Die Schwierigkeiten scheinen noch nicht in vollem Umfang bekannt – fest steht, dass Ermittlungen seitens der Finanzbehörden stattfinden und dass wohl Schulden in nicht genau bekanntem Umfang existieren. Viele Fachleute befürchten, dass diese nicht aus den Mitteln der Bank selbst bedient werden können. Wäre dies der Fall, so müsste der Staat Portugal einspringen. Das wiederum wäre ein Desaster angesichts der bisherigen Sparmaßnahmen, die den Staat bereits auf die Spur der Entschuldung geführt haben. Eine eventuelle, neue Stützungsmaßnahme durch die europäische Gemeinschaft würde alte Wunden wieder aufreißen und die Furcht vor neuen Einschnitten schüren. Hinzu kommt, dass sich die Konjunktur in Europa nicht erwartungsgemäß entwickelt. Gerade die wirtschaftlich bedeutenden Märkte in Frankreich, Deutschland und Italien zeigen nicht die erwartete Konjunkturbelebung. Viele Anleger zweifeln mittlerweile daran, dass sich das Bild kurz- oder mittelfristig verbessern wird. Es droht somit erneut die Gefahr einer sich verschärfenden Schuldenkrise in Europa.

Wie schlimm ist die Situation?

Derzeit scheint es noch keine akute Notlage zu geben. Doch viele Anleger befürchten, dass diese Probleme der Großbank in Portugal nicht der einzige Fall bleiben – folgen weitere Hiobsbotschaften dieser Art, beispielsweise von anderen Großbanken in anderen Ländern – könnte das Ausmaß der Schuldenkrise dramatisch zunehmen. Die portugiesische Banco Espirito Santo teilt dazu mit, dass sie über ausreichende Mittel verfüge, da das vorhandene Kapital mit 2,1 Milliarden Euro über den Mindestanforderungen liege und zudem eine Eigenkapitalerhöhung in diesem Jahr weitere 1,04 Milliarden Euro in die Kasse spülte. Gibt es dennoch Probleme, so verfügen der Staat Portugal wie auch der Euro-Rettungsschirm ESM über entsprechende Reserven. Nach Einschätzung vieler Analysten ist hier nicht wirklich ein monetäres Problem zu befürchten, sondern eher ein psychologisches. Die Volatilität kann sicherlich nicht mit einem Schlag gedrückt werden und es werden auch immer wieder einmal Probleme im Bankensektor auftreten, ohne dass gleich ein gesamteuropäisches Schuldenproblem daraus neu entsteht.

Lösung der Probleme wird noch lange dauern

Eine schnelle Lösung der Probleme in den Schuldenstaaten Europas ist sicherlich nicht realistisch. An den Börsen ist jedoch bereits eine Erholung nach einem kurzen Negativintermezzo durch die Meldungen der portugiesischen Bankprobleme zu beobachten – die Anleger vertrauen auf eine gesamtheitliche Erholung der wirtschaftlichen und finanziellen Probleme im Laufe der Zeit. Die verantwortlichen Ministerien und Finanzinstitute liegen auf Kurs, doch es benötigt noch viel mehr Zeit, damit die tiefgreifenden und sicherlich noch nicht alle aufgedeckten Probleme endlich beseitigt werden können. Doch viele Marktteilnehmer fühlen sich auch verunsichert und investieren lieber in anderen Märkten, als auf eine Erholung durch die getroffenen Maßnahmen zu vertrauen. Es ist daher wichtig, das Vertrauen durch effektive und klare Maßnahmen wiederherzustellen. Die Probleme müssen vollumfänglich transparent gemacht und das fehlende Kapital entsprechend kompensiert werden. Sollte die bereits beruhigte Situation nun weiterhin aufflammen, könnten nicht mehr ausgleichbare Schäden in der Finanzlandschaft Europas entstehen.

Bild© SZ-Designs – Fotolia.com

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